Neues von der Sturzprophylaxe
Gestürzt wird überall : die Kurse an den Börsen,
der Wasserfall in die Tiefe, manchmal auch in Schulden oder ins
Unglück- und wie der Teufel es will : man stürzt der Länge
nach mehr oder weniger heftig hin.
Die Stürze sind schon immer ein Problem, wir beginnen damit,
sobald wir entdecken, dass unsere Füße zum Laufen da
sind.
Als Kind ist das kein Grund zur Katastrophe, man fällt auf
das weich gepolsterte Hinterteil; später zeigt man stolz seinen
Freunden die Narben vom letzten unfreiwilligen Abstieg vom Fahrrad.
Im Laufe der Jahre merkt man selber, dass immer mehr Unsicherheiten
dazu kommen - man klettert nicht mehr auf Bäume, steigt kaum
noch auf Tischen und Stühlen herum, selbst die Leiter ist einem
dann nicht mehr sicher genug. Die Absätze werden flacher und
das Licht im Raum wird immer eher angeschaltet. Ist man dann tatsächlich
doch gestürzt, braucht es immer länger, bis man wieder
sich sicher bewegen kann und keine Angst mehr hat.
Zeit für die Sturzprophylaxe???
Eigentlich ist es dann aber allerhöchste Zeit, es brennt schon!
Keiner wird natürlich mit 20 oder 30 zu sich sagen: "Du
musst was gegen deine spätere Sturzgefahr tun, irgendwann bist
du alt und dann fällst du aber mit schlimmen Folgen hin!"
Im täglichen Leben sollte man sich manchmal selber beobachten
: sieht man schlechter, hat man weniger Kraft in den Händen
und Knien, wird man schnell unsicher beim rückwärts laufen,
wird es einem schwindlig beim Bücken.
Es gibt viele Gründe für einen Sturz, die wir selber beeinflussen
können. Wir treiben Sport, essen vernünftig, gehen beizeiten
zum Arzt, trinken genug und und und
!
Trotzdem werden wir immer mit Stürzen leben müssen, besonders
im Alter werden die Verletzungen nach einem Sturz schwerer und verheilen
deutlich schlechter als in der Kindheit.
Natürlich wird seit Jahren in den Heimen allerhand gegen die
Sturzgefahr getan, auch unser Heim ist ein Vorreiter in Sachen Sturzprophylaxe.
Standard, Hüftschutzgürtel und -hosen, Einrichtung, Therapien,
Begutachtungen usw. halten seit Jahren die Menge an Stürzen
relativ niedrig.
Vor gut 2 Jahren rief die AOK Plus ein Projekt "Sturzprävention
- aktiv bleiben im Pflegeheim" ins Leben, welches für
3 Jahre angesetzt ist. In diesem Zeitraum sollten in allen beteiligten
Heimen der Expertenstandard "Sturzprophylaxe" richtig
umgesetzt und gleichzeitig eventuelle spezifische Ursachen für
Sturzursachen erkannt und vermieden werden.
Außerdem interessiert das Alter der Gestürzten, der Zeitpunkt
des Sturzes, die Fußbekleidung, die eventuell gestellte Diagnose
Demenz sowie die Teilnahme an den Übungen zur Sturzprophylaxe.
Ein wichtiger Teil der Sturzprävention ist die exakte Durchführung
von vorgegebenen Übungen zur Kraft- und Gleichgewichtsstabilisierung,
die von renommierten Wissenschaftlern ausgearbeitet wurden.
In jedem Heim wurde ein Mitarbeiter ausgewählt, der als Übungsleiter
eine Gruppe von Bewohnern übernahm und über seine Arbeit
einen Nachweis führt.
Unsere Gruppe besteht wechselnd aus 6 bis 8 Bewohnern mit unterschiedlichen
Erkrankungen und Alter, Vorraussetzung war, dass die Probanten stehen
und laufen können.
Wir üben immer eine Stunde und dies läuft ungefähr
so ab:
Lockerungs- und Dehnungsübungen
Übungen mit verschiedenen Medien wie Bälle, Theraband,
Sandsäckchen, Luftballons
Gleichgewichtsübungen im Sitzen und Stehen
Kraftübungen im Stehen
Bei den Kraftübungen bekommt jeder Bewohner eine Manschette
mit Gewichten um die Unterschenkel und muss dann die vorgeschriebenen
Übungen durchführen. Ich bin mittlerweile richtig stolz
auf meine Gruppe. Obwohl jeder echt kämpfen muss, hat noch
keiner aufgegeben und führt die Übungen sauber aus.
Die AOK Plus hat auch den beteiligten Betrieben eine Sturzauswertung
gesendet und unser gemeinsames Wirken aller Betriebsangesellten
hat in unserem Heim eine positive Bilanz ergeben.
Wir werden natürlich weiter am Ball bzw. auf den Beinen bleiben
und hoffen, dass die Erdanziehungskraft für unsere Heimbewohner
nicht zum größeren Problem wird!
In diesem Sinn - Bleiben Sie schön senkrecht!!
Ihre Dagmar Wündisch (Ergotherapeutin)
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